Rürup, bAV oder privat? Die drei Schichten der Altersvorsorge für Unternehmer
Lesezeit ca. 6 Minuten · Stand Juli 2026
Das deutsche Vorsorgesystem sortiert sich in drei Schichten, und jede folgt einer eigenen steuerlichen Logik: Was beim Einzahlen begünstigt wird, ist beim Auszahlen steuerpflichtig — und umgekehrt. Wer nur eine Schicht kennt, optimiert fast immer an der falschen Stelle.
Als Unternehmer haben Sie dabei eine Möglichkeit, die Angestellten fehlt: Sie entscheiden selbst, ob Vermögen in der GmbH, über die GmbH oder privat aufgebaut wird.
Schicht 1: Basisversorgung (Rürup)
Beiträge zur Basisrente sind als Sonderausgaben abziehbar — für Gutverdiener ein spürbarer Steuereffekt im Hier und Jetzt. Der Preis: Das Kapital ist gebunden. Ausgezahlt wird ausschließlich als lebenslange Rente, frühestens ab 62, nicht kapitalisierbar und nur eingeschränkt vererbbar. Die Rente selbst wird nachgelagert besteuert.
Für Unternehmer kann die Schicht 1 ein Baustein sein — als alleinige Strategie ist sie wegen der Unflexibilität selten geeignet.
Schicht 2: Betriebliche Altersvorsorge über Ihre GmbH
Hier zahlt Ihre Gesellschaft: Beiträge etwa in eine Direktversicherung sind nach § 3 Nr. 63 EStG bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei — 2026 sind das 8.112 Euro im Jahr. Das Geld verlässt die GmbH als Betriebsausgabe, ohne bei Ihnen als Gehalt anzukommen.
Die Kehrseite: Die Leistungen werden im Alter nachgelagert und grundsätzlich voll besteuert. Ob sich das lohnt, hängt an Ihrem Steuersatz heute gegenüber dem im Ruhestand — und für beherrschende GGF an den formalen Voraussetzungen, die eigene Sorgfalt verlangen.
Schicht 3: Private Vorsorge
Privat angespartes Vermögen ist am flexibelsten: kein Zugriffsalter, frei vererbbar, jederzeit anpassbar. Steuerlich gibt es beim Einzahlen keine Förderung — dafür ist die Auszahlung begünstigt: Bei privaten Rentenversicherungen greift unter Voraussetzungen (mindestens 12 Jahre Laufzeit, Auszahlung ab 62) das Halbeinkünfteverfahren, bei fondsgebundenen Lösungen zusätzlich die Teilfreistellung nach Investmentsteuergesetz.
Warum die Mischung entscheidet
Keine Schicht ist per se die beste — sie besteuern nur an unterschiedlichen Stellen. Die eigentliche Gestaltungsfrage für Unternehmer lautet: Wie viel Liquidität soll in der GmbH arbeiten, wie viel über die GmbH in geschützte Vorsorge fließen, wie viel privat flexibel bleiben?
Diese Aufteilung lässt sich nicht aus einer Tabelle ablesen. Sie hängt an Gesellschafterstruktur, Ausschüttungspolitik, Familiensituation und Zeithorizont — und genau dort setzt die Potenzialanalyse an.
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